Analogfotografie: Hinfallen, Aufstehen und Lernen

Eine Ode an die Analogfotografie von Marie, Cloth. kreativbureau

Das erste Mal hatte ich sie an Weihnachten vor über zwei Jahren in der Hand – provisorisch eingepackt in einer Papiertüte – meine erste Analogkamera.

Was mir zu Beginn Schwierigkeiten bereitete, ist mittlerweile mein Alltagsbegleiter, auf den ich nicht mehr verzichten möchte.

Ich, als Praktikantin beim Cloth. Kreativbureau, bin viel mit digitalen Medien beschäftigt. Im Bereich der Fotografie hat die Digitalisierung viele Vorteile mit sich gebracht, wie zum Beispiel direktes Einsehen der Ergebnisse und einfache Datenübertragung.

Ich jedoch möchte diesen zweiten Blogpost dazu nutzen, eine Brücke vom Digitalen zum Analogen zu schaffen und euch meine subjektiven Vor- und Nachteile der Analogfotografie auf fotografischem Film näher zu bringen, weil ich der Meinung bin, dass das Aufleben dieser Art von Fotografie vor ein paar Jahren in der jüngeren Generation nicht ohne Grund stattgefunden hat.

Machen wir uns nichts vor, ein großer Nachteil ist die Verfügbarkeit der Fotos. Wer kein eigenes Entwicklungslabor hat, muss sich drei bis sieben Tage gedulden, um erste Auszüge sehen zu können. Für diejenigen, die oft spontan Fotos benötigen, wie beispielsweise Berufsfotografen, ist dieses Medium eher der langsamere Weg zum Ergebnis. Wer seine Fotos auf sozialen Medien oder in einem Blog veröffentlichen möchte, steht vor der Schwierigkeit, die ausgedruckten Fotos in digitale Dateien umzuwandeln, die nicht viel Nachbearbeitung erfordern. Hier sind nicht nur gute Kenntnisse des Scanvorgangs gefragt.

Doch neben dem Negativen hat doch auch jede Sache seine positiven Seiten. Für mich persönlich fängt dies bereits beim Look der Fotos an. Besonders im Winter, mit der Spiegelung des Lichts im Schnee, wirken sie verträumt. Im Sommer sind die Farben stark gesättigt. Wer schonmal versucht hat, digitalen Bildern ein „analoges“ Aussehen zu verpassen, hat schnell gemerkt, dass dies gar nicht so einfach ist. Die für mich schönste Eigenschaft des fotografischen Films ist das Korn, an dem die meisten beim Nachstellen scheitern. Es mag sich banal anhören, aber die Körnung, die Farbigkeit und die Emotion, etwas aus „Omas Fotokiste“ herauszusuchen – all das sind Faktoren, die das analoge Foto für mich emotional so viel wertvoller machen, als das perfekte und vielleicht sogar retuschierte Foto einer Digitalkamera. Bei der Analogfotografie steht deshalb für mich vor allem der künstlerische Aspekt im Vordergrund. Das Experimentieren mit selbstgebastelten Filtern, Doppelbelichtung oder das Bemalen des Films sind sehr beliebte Methoden, um sich kreativ auszutoben. Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt, genauso, wie ich nun auch noch nicht aufhören kann, einen weiteren Vorteil miteinzubringen.

Zu guter Letzt und ganz bewusst möchte ich noch auf Folgendes eingehen: der erste Blick und das anfängliche Erhaschen, ob der Film überhaupt vielversprechend geworden ist, sind für mich die schönsten Erlebnisse neben dem Fotografieren. Die Überraschung vergessener Motive, misslungene oder gelungene Experimente und die Erinnerung an ganz besondere Momente mit ganz besonderen Menschen an ganz bestimmten ereignisvollen Orten – diese Dinge zaubern mir jedes Mal aufs Neue ein Lächeln ins Gesicht. Egal ob beim ersten Blick oder beim zweiten, dritten oder vierten. Analogfotografie erfordert Zeit, Geduld und Experimentierfreudigkeit. Wer sich ausreichend damit beschäftigt, wird sehr großes Gefallen daran finden. Analogfotografie ist für mich Hinfallen, Aufstehen und Lernen – nichts ist hier eingestaubt, sondern ganz schön lebendig und aktiv.

Nichtsdestotrotz schließt der anfangs erwähnte langsamere Weg nicht ein gutes und emotionales Ergebnis aus, sondern geht mit – meiner Meinung nach – mehr Hingabe, mehr Gespür und mehr Liebe einher. Denn wie sagt man so schön: Gut Ding will Weile haben.

Ich hoffe, mit diesem Blogpost, einige von euch auf den Geschmack der Analogfotografie gebracht zu haben und dass sie euch genauso viel Freude bereiten wird wie mir.